Erfüllung am Arbeitsplatz
Sind Sie glücklich in Ihrem Job? Oder haben Sie schon mehr als einmal überlegt, ihn zu wechseln? Hier erfahren Sie, wie Sie mehr Freude mit Ihrem Arbeitsplatz haben.
Annemarie braucht nur an den vor ihr liegenden Arbeitstag zu denken und hat bereits beim Aufstehen schlechte Laune. Wird sie wieder mit unlösbaren Aufgaben konfrontiert? Gibt es schon wieder Schelte vom Chef? Wird sie einmal mehr von Kolleginnen angepflaumt? Nur allzu oft hat Annemarie ihren Job derart satt, dass sie ihn lieber heute als morgen hinwerfen würde!
Einfach zu kündigen: Davon träumen mehr Menschen, als wir vielleicht ahnen würden: Aktuellen Umfragen zufolge empfindet die Mehrzahl der deutschen Arbeitnehmer keine oder nur eine sehr geringe Bindung an ihren Arbeitsplatz – und in Österreich und der Schweiz ist die Lage kaum anders. Und nicht nur das: Mit zunehmendem Alter sinkt die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz kontinuierlich!
Dass ein Jobwechsel in den meisten Fällen dennoch keine Lösung ist, zeigt nicht nur die Erfahrung, sondern auch eine ganze Reihe von aktuellen Ratgebern. Eine ebenso verblüffende wie ernüchternde These stellen etwa Volker Kitz und Manuel Tusch in ihrem „Frustjobkillerbuch“ auf: „Es ist egal, für wen und wo Sie arbeiten. Denn die Probleme am Arbeitsplatz sind universell!“
Um diese Aussage zu verstehen, sollten wir uns zuerst verdeutlichen, wovon die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit einem Job eigentlich abhängt. Man würde annehmen, dass die meisten Menschen zu allererst die Bezahlung nennen. Doch weit gefehlt! Die Höhe der Entlohnung ist zwar nicht unbedeutend, gehört aber lange nicht zu den wichtigsten Faktoren zur Jobzufriedenheit. Natürlich sind viele Beschäftigte der Meinung, zu wenig zu verdienen. Immer weniger Menschen neigen aber dazu, sich unentwegt mit anderen zu vergleichen, zumal man immer jemanden finden wird, der mehr Geld bekommt als man selbst …
Wann ist man zufrieden mit dem Job?
Vielmehr sind es drei Motivgruppen, die als besonders wichtig erachtet werden: die Einstellung zum Job, die Aufgabenbewältigung und das Arbeitsklima. Der erste Faktor hängt zum größten Teil davon ab, wie viel Sinn man in seiner Arbeit sieht. Gerade jene, die keine leitenden Funktionen haben, sondern eines der sprichwörtlichen „Rädchen im Getriebe“ eines Unternehmens sind, zweifeln oft an der Bedeutung dessen, was sie leisten.
Der zweite große Problemkreis betrifft das nur allzu häufige Gefühl, mit der Art oder Menge der zu erledigenden Aufgaben überfordert zu sein. Viele Menschen haben den Eindruck, regelmäßig die Kontrolle über Ihren Arbeitsalltag zu verlieren. Bei der Arbeit möchten sie eigene Ideen umsetzen, die Aufgaben selbst mitgestalten – und stoßen doch immer wieder an Grenzen. Vor allem im Umgang mit Kunden ist die Entfaltungsfreiheit naturgemäß eingeschränkt. Auch die Arbeitszeiten empfinden viele Menschen als zu hoch: Mit einer Vierzigstundenwoche ist es in den seltensten Fällen getan – zehn Überstunden pro Woche sind fast Standard, zwanzig bis dreißig keine Seltenheit.
Der dritte Faktor betrifft das Arbeitsklima – und hier muss man zwischen dem Verhältnis zum Vorgesetzten, der Beziehung zu den Kollegen und dem Umgang mit Kunden unterscheiden. Für viele ist ihr Chef der Hauptgrund, weshalb sie in ihrem Beruf nicht glücklich sind. Vor allem wird das Verhältnis zum Chef durch fehlende oder wenigstens mangelnde Anerkennung getrübt: „Mein Chef schätzt meine Leistung nicht“ ist ein Satz, den wohl jeder so oder so ähnlich schon einmal geäußert hat. Wenn man dann auch noch ungerecht behandelt wird, geht die Gesprächsbasis endgültig verloren. Auch nervende Kollegen gehören leider zum Arbeitsalltag. Das liegt einfach daran, dass die meisten von uns in einem komplexen System arbeiten, in dem jeder seine Rolle zu spielen hat: So wird es immer Konflikte geben …
Brechen Sie Grundmuster auf!
Wenn nur eine dieser drei Motivgruppen zur Zufriedenheit erfüllt wird, dann muss es die Mankos der anderen ausgleichen – und die Erwartungen wachsen ins Unermessliche. Stimmen etwa Aufgabenbewältigung und Arbeitsklima nicht, dann müsste einem die Art der Tätigkeit schon enorm am Herzen liegen, damit man nicht verzweifelt – und das ist zumeist eher unwahrscheinlich. Nur wenn alle drei Themenbereiche zufriedenstellend sind, ist man auch mit seinem Job rundum zufrieden.
Das allerdings kommt wiederum nur in den seltensten Fällen vor: Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer – und auch Selbstständigen – hat in der einen oder anderen Form mit den genannten Problemen zu kämpfen. Wie aber soll man diesen begegnen? Da ein Jobwechsel nur eine Verlagerung des Problems von einem Arbeitsplatz auf den nächsten mit sich bringen würde, kann ein solcher weder für Annemarie noch für jeden anderen Arbeitnehmer eine Lösung sein.
Also gilt es zu allererst zu ergründen, was Sie eigentlich tatsächlich an Ihrem Job stört. Solange Sie nur ein allgemeines, nicht näher definiertes Unbehagen verspüren, können Sie auch keine Verbesserungsschritte einleiten. Teilen Sie Ihre beruflichen Frustrationen Außenstehenden mit – am besten einem Freund oder einer Freundin! Sich eine Sache von der Seele zu reden, sorgt nicht nur für emotionale Erleichterung, sondern fördert auch so manchen guten Ratschlag durch das Gegenüber zutage, das die Angelegenheit objektiv und aus einer gewissen Distanz heraus betrachtet.
Seien Sie dabei ehrlich zu Ihrem Gesprächspartner – und zu sich selbst! Überlegen Sie, was Sie konkret wütend oder traurig macht und gestehen Sie sich diese Gefühle auch selbst zu! Erst wenn Sie die wahren Gründe für Ihren Frust erkennen, können Sie entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.
Fördern Sie Ihr Gold zutage!
Sollten Sie am Sinn Ihrer Tätigkeit zweifeln, dann geht es darum, dass Sie Ihre innere Einstellung zum Arbeitsplatz verändern. Machen Sie sich klar, dass Sie sogar als ein kleines Rädchen im Getriebe eine wichtige Funktion für Ihr Unternehmen ausüben. Kein Betrieb dieser Welt stellt Mitarbeiter ein, die er nicht braucht. Die Tatsache, dass Ihr Arbeitgeber bereit ist, für Ihre Dienste Geld auszugeben, beweist, dass genau diese Dienste gebraucht werden!
Absolut keinen Nutzen bringt es, wenn man für sich selbst das Programm „hätte ich doch“ oder „wäre ich doch“ abspult. Selbstvorwürfe wie „hätte ich doch eine bessere Ausbildung gemacht“ oder „wäre ich besser in eine andere Stadt gezogen“ sind völlig unproduktiv: Wesentlich sinnvoller ist es, Tatsachen zu akzeptieren, die nun einmal nicht zu ändern sind, und stattdessen die positiven Seiten der Realität herauszustreichen.
Halten Sie stattdessen schriftlich fest, was Sie erreicht haben, worauf Sie stolz und wofür Sie dankbar sind! Notieren Sie all Ihre Fähigkeiten und guten Eigenschaften, die Sie dazu geführt haben! Jede dieser Eigenschaften und Fähigkeiten ist ein Goldstück, das Sie schrittweise dazu bringt, sich und Ihre Tätigkeit positiver zu sehen. Bedenken Sie stets, dass Spaß an der Arbeit die Hauptmotivation eines Berufstätigen ist!
Seien Sie Ihr eigener Manager!
Wenn Sie sich von Ihren Aufgaben erschlagen fühlen, dann kann ein gezieltes Selbstmanagement für eine erhebliche Erleichterung sorgen. Beginnen Sie damit, Ihren Schreibtisch oder Ihr jeweiliges Arbeitsumfeld sorgfältig aufzuräumen. Wenn Sie alles entsorgen, was Sie nicht brauchen, dann behalten Sie leichter den Überblick über die zu erledigenden Aufgaben und übersehen dabei nichts.
Gehen Sie als Nächstes her und machen Sie sich täglich einen Plan für die zu erledigenden Aufgaben. Das hat den Vorteil, dass Sie sich die Zeit besser einteilen können und bei jedem Punkt, den Sie abhaken können, ein Erfolgserlebnis haben. Und wenn einmal gar nichts mehr geht, dann stehen Sie doch auf, machen Sie ein paar Schritte und plaudern Sie vielleicht ein paar Worte – Sie werden sehen, dass die Arbeit nach wenigen Minuten wieder wesentlich leichter von der Hand geht.
Wenn Sie Ihre Arbeit in der beschriebenen Weise straff durchorganisieren, dann werden Sie diese auch in spürbar kürzerer Zeit bewältigen – und können sich dadurch so manche Überstunde ersparen. Und ein Mehr an Freizeit wird auch die Freude an der Tätigkeit wieder steigern!
Gehen Sie souveräner mit anderen um!
Sollten Sie von Ihrem Chef zu wenig Anerkennung bekommen oder sich ungerecht behandelt fühlen, dann sollten Sie sich eines vor Augen führen: Der Vorgesetzte ist nun einmal kein „Gerechtigkeitsautomat“, sondern auch nur ein Mensch mit all seinen Unzulänglichkeiten. Oft meint er es vielleicht gar nicht böse, sondern ist selbst von der betreffenden Situation überfordert. Bedenken Sie stets, dass auch der Chef einen Chef hat, der ihm die Daumenschrauben ansetzt – und wenn es sich um einen kleinen Betrieb handelt, dann hat er tagtäglich ums finanzielle Überleben zu kämpfen …
Wenn wiederum der Kunde nur sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse wahrnimmt, dann darf Sie das auch nicht wundern! Es ist ein ehernes Gesetz, das so gut wie alle Kunden so sind – auch wir selbst, wenn wir Kunden sind!! Wir sollten Kunden besser als jene Personen betrachten, denen wir eigentlich unsere Arbeit verdanken! Und wenn Ihre Kollegen Sie nerven, dann sollten Sie auch nicht gleich aus der Haut fahren – überlegen Sie sich Ihre Worte, bevor Sie einen Streit provozieren! Grundsätzlich gilt: Behandeln Sie Ihren Vorgesetzten, Ihre Kollegen und Ihre Kunden so, wie Sie selber behandelt werden wollen!
Das funktioniert am besten, indem Sie sich in der gewaltfreien Kommunikation üben. In der Regel senden wir nicht „Ich-Botschaften“, sondern „Du-Botschaften“, indem wir „du hast etwas falsch gemacht“ oder „du störst mich“ verkünden. Unser Gegenüber erlebt dies als Vorwurf und wird seinerseits mit Gegenvorwürfen antworten. Um diese Falle zu vermeiden, sollte man verstärkt mit Ich-Botschaften arbeiten. Erläutern Sie den Sachverhalt objektiv, wertfrei und nachvollziehbar. Erklären Sie, was dieser Sachverhalt in Ihnen auslöst, wie Sie sich fühlen und warum. Und vor allem: Äußern Sie dann eine Bitte, einen Wunsch – und keine Forderung! Sie werden sehen, um wie vieles leichter die Kommunikation mit Ihrem Umfeld dann abläuft!
