Ein neuer Job muss her

Lebensberatung_frau-knackal

Der Traum von einer steilen Karriere, in der es nur aufwärts geht, ist ausgeträumt. Zurzeit holt die Realität auch die gehobene Mittelschicht ein. Nach zahlreichen Firmenpleiten, Insolvenzen und Kündigungswellen bei den großen Konzernen und mittelständischen Unternehmen überfluten gut ausgebildete, junge und flexible Mitarbeiter den Arbeitsmarkt. Vorbereitet ist niemand auf den Ansturm der Arbeitssuchenden, weder die Arbeitsämter noch die Betroffenen selbst. Viele Karrieren, die wie im Märchen begannen, enden erschreckend früh.
Es kann jeden treffen. Früher erwischte es zumeist den weniger gut Ausgebildeten, doch heute schützen auch Studium, Auslandsaufenthalte, Sprachkenntnisse, Zusatzqualifikationen, Berufserfahrung, Führungsqualitäten nicht immer vor Arbeitslosigkeit.
Der Boom ist vorbei. Hochschulabsolventen, die noch vor ein paar Jahren bereits während ihres Studiums heftig von der Industrie umworben wurden, sind jetzt einem oft monatelangen Bewerbungsmarathon ausgesetzt, um überhaupt einen Job zu ergattern.
Die Arbeitslosigkeit hinterlässt ihre Spuren. Beim Blick hinter die Fassade wird klar: Wer betroffen ist, kämpft zumeist mit Selbstzweifel und Krisen. Dazu kommen Geldnöte, begleitet von der ewigen Unzufriedenheit, welche die Partnerschaft auf eine harte Probe stellt.
Doch das ist kein Grund, zu verzweifeln. Es gibt durchaus viele sinnvolle Tätigkeiten, die man in der arbeitslosen Zeit unternehmen kann und die nicht immer mit vielen Kosten verbunden sein müssen. Gerade jetzt im Sommer entwickeln Sie mehr Kraft, Energie und Selbstvertrauen als in der kalten Jahreszeit. Denn der Mensch als heliozentrisches Wesen braucht das Sonnenlicht, das sich in unseren Breitengraden leider meist recht sparsam zeigt. Und tatsächlich sind die goldenen Strahlen wahres Labsal für Körper, Geist und Seele. Sie aktivieren den Stoffwechsel, die Atmung, kurbeln den Kreislauf an, steigern die Leistungsfähigkeit und mobilisieren körpereigene Abwehrkräfte.
Dass Sonnenlicht auch Geist und Seele in Schwung bringt, haben Experten schon vor Jahren bewiesen, als sie sich daran machten, die Ursachen der so genannten "Winterdepression" zu untersuchen. Hierzulande leiden nahezu zehn Prozent der Bevölkerung an diesem Phänomen, während es in südlichen Gegenden fast unbekannt ist. Denn Lichtmangel kann die jahreszeitlich bedingte Depression auslösen. Bei freiwilligen Versuchspersonen, die sich dem Sonnenlicht aussetzten, verschwanden die depressiven Symptome sehr schnell. Leider gibt es keine Garantie dafür, dass Sie trotz sommerlicher Energie sofort einen Arbeitsplatz finden, aber Sie können die arbeitslose Zeit sinnvoll nutzen, dann springt vielleicht auch bald eine neue, bessere Stelle für Sie heraus. Hier ein paar Tipps:

1. Fangen Sie an, gesund zu leben!

Jetzt können Sie erst einmal Koffein in Massen, hektisches Mittagessen, reihenweise Überstunden hinter sich lassen. Fangen Sie wieder damit an, sich auszuschlafen - was nicht heißt, dass Sie bis mittags im Bett liegen sollten - lassen Sie den Kaffee am Nachmittag weg (eine Tasse Früchtetee schmeckt auch so gut) und schränken Sie Ihren Süßigkeitenkonsum ein. Der Sommer ist genau die richtige Zeit, um wieder mit einem Ausdauersport zu beginnen, sei es nun Nordic Walking, Jogging, Radfahren oder Schwimmen. Versuchen Sie auch, wieder regelmäßig und gesund zu kochen und zu essen - die Ausrede "Fertig-Nahrung wegen Stress" zählt nicht mehr. Schon bald werden Sie sich, obwohl Sie arbeitslos sind, wesentlich besser und selbstbewusster fühlen. Mit diesem neuen, gestärkten Selbstbewusstsein können Sie im nächsten Vorstellungsgespräch punkten.

2. Verhindern Sie Isolation!

Arbeitslos sein bedeutet nicht, komplett von der Arbeitswelt ausgeschlossen zu werden. Vielmehr sollten Sie unbedingt darauf achten, mental in Ihrem Job involviert zu bleiben, damit Sie fit für den Wiedereinstieg sind, wenn sich die Möglichkeit bietet. Wichtig ist vor allem, dass Sie Ihre Kontakte pflegen. Lassen Sie den Faden zu den ehemaligen Kollegen nicht vollständig abreißen, vielleicht hat bald jemand einen guten Tipp für Sie. Auch wenn Sie nun sehr auf Ihren Geldbeutel schauen müssen: Bleiben oder werden Sie Mitglied in Gewerkschaften oder beruflich relevanten Vereinen, gehen Sie auf interessante Veranstaltungen und akquirieren Sie neue Arbeitgeber auf Messen. So verhindern Sie, dass Sie plötzlich nicht nur ohne Job, sondern auch noch isoliert dastehen. In harten Zeiten klingelt garantiert niemand an Ihrer Haustüre und bietet Ihnen den Traumjob an! Wertvolle Unterstützung können Sie auch in so genannten "Erfolgsteams" finden. In diesen Teams schließen sich Menschen zusammen, die das gleiche Interesse haben, nämlich die Arbeitssuche. Dabei geht es nicht um eine bloße Selbsthilfegruppe, sondern darum, sich gegenseitig zu motivieren, die persönlichen und beruflichen Ziele systematisch anzugehen.

3. Halten Sie einen Tagesrhythmus ein!

Damit Sie nicht "verlernen", wie ein beruflicher Alltag abläuft, sollten Sie sich während Ihrer arbeitslosen Zeit unbedingt an einen festen Tagesrhythmus halten. Sonst wird es Ihnen schwer fallen, sich wieder in einen Ganztagesjob einzufinden. Dafür reichen schon wenige Fixpunkte, wie ein bestimmter Zeitpunkt, an dem Sie joggen gehen, Ihr Mittagessen zubereiten, Stellenanzeigen im Internet und in Tageszeitungen durchgehen oder für einen eventuellen Fortbildungskurs pauken. Der feste Rhythmus gibt zudem das Gefühl, nicht völlig tatenlos herumzusitzen. Vertrödeln Sie den Tag, werden Sie sich jeden Abend schlecht fühlen, weil Sie nichts Sinnvolles gemacht haben.
Denken Sie daran: Arbeitssuche ist ein Fulltime-Job. Registrieren Sie per Tages- und Wochenplan auch die kleinen Erfolge -- und belohnen Sie sich selbst dafür. Damit entgehen Sie der Motivationsfalle: Fehlende Bestätigung führt zu depressiver Verstimmung, welche nun wiederum in Apathie mündet und somit noch weniger Bestätigung erbringt.

Lebensberatung_job-2

4. Arbeiten Sie ehrenamtlich!

Gemeinnützige Arbeit bringt zwar im Gegensatz zu Ihrem früheren Job kein Geld, macht aber zufrieden und schafft vor allem wertvolle Kontakte. Ehrenamtliche Tätigkeiten gibt es vielerlei, da können Sie ganz nach Lust und Laune auswählen. Bei Greenpeace oder dem Bund Naturschutz etwa kann sich jede(r) für die Umwelt engagieren. Viele karitative Einrichtungen, wie die Caritas, das Rote Kreuz oder der Malteser Hilfsdienst suchen regelmäßig Hilfskräfte, die Besuchsdienste bei alten oder kranken Menschen übernehmen. Engagieren Sie sich in einem Asylbewerberheim, einer Kindertagesstätte, einem Schülerclub, geben Sie Deutsch-Unterricht für Ausländer. Falls Sie nicht genau wissen, an wen Sie sich wegen ehrenamtlicher Arbeit wenden sollen, so melden Sie sich am besten in Ihrem zuständigen Rathaus. Hier kann man Ihnen sagen, ob und wo genau Bedarf besteht und welche gemeinnützigen Einrichtungen es in Ihrer Stadt überhaupt gibt.

5. Nutzen Sie die altbewährte Arbeitspause!

Tun Sie etwas, was Sie schon immer mal tun wollten. Manche Menschen nehmen sich freiwillig ein Jahr berufliche Auszeit, um ihre Träume zu verwirklichen. Man nennt das "Sabbatical". Der Begriff entstammt einem biblischen Brauch, der im Zweiten Buch Moses beschrieben wird: "Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln. Aber im siebenten Jahr sollst du es ruhen lassen", heißt es dort. Professoren in den USA waren die ersten, die sich die Bibelstelle zu Herzen nahmen. Sie führten an den amerikanischen Unis Sabbaticals ein: Auszeiten von einem halben Jahr, in denen die Professoren dem Lehrbetrieb den Rücken kehren können, um sich völlig ihrer Forschungsarbeit zu widmen. Als Forschungsfreisemester ist diese Art des Sabbaticals längst auch an deutschen Hochschulen üblich.
Als Arbeitslose(r) haben Sie ohne Ihr Zutun eine Art von Sabbatical und Zeit, einmal das zu machen, was Sie schon immer gerne tun wollten. Dabei sollten Sie unbedingt darauf achten, sich ein festes Ziel zu setzen. Einfach einem beliebigen Hobby ohne feste Zielvorstellungen zu frönen, kann zwar schön sein, bringt Sie aber nicht weiter. Und außerdem könnten Sie das während eines festen Jobs genauso tun. Zur Veranschaulichung: Sie wollten sich schon seit langem etwas "Dreamweaver" und "Photoshop" aneignen. Dann tun Sie das nicht einfach, um ein bisschen "rumzubasteln", sondern setzen Sie sich das Ziel, endlich Ihre eigene Bewerbungshomepage ins Internet zu stellen. Oder wollten Sie schon immer koreanisch kochen können? Dann probieren Sie es nicht nur so für sich aus, sondern setzen Sie sich das Ziel, an einem bestimmten Tag Ihre Freunde und Bekannten zu einem koreanischen Essen bei sich einzuladen. Sicherlich haben Sie selbst genug Wünsche und Vorstellungen im Kopf, die Sie in Ihrer arbeitslosen Zeit verwirklichen und anpacken könnten, sei es, den Dachboden endlich auszubauen oder ein Buch zu schreiben. Achten Sie nur immer darauf, dass ein fertiges "Produkt" entsteht, auf das Sie dann auch mit Stolz blicken können.

6. Präzisieren Sie Ihre Vorstellungen!

Die Zeit ohne feste Arbeitsstelle bietet sich dazu an, über seine Möglichkeiten, Fähigkeiten, Wünsche und Ziele nachzudenken. Überlegen Sie sich, ob Sie es sich vorstellen könnten, auch in einer anderen Branche zu arbeiten. War da nicht mal ein Praktikum damals im Studium? Erkundigen Sie sich beim zuständigen Arbeitsamt, ob Ihnen eventuell eine Fort- oder Weiterbildung gezahlt wird. Wollen Sie wieder in den Bereich einsteigen, in dem Sie zuvor auch gearbeitet haben, so sollten Sie über eine sinnvolle Zusatzqualifizierung nachdenken. Das kann eine Sprache sein, ein neues Computerprogramm, BWL-Kenntnisse oder die Beschäftigung mit angrenzenden Berufsfeldern. Auf jeden Fall sollten Sie über Ihre Ortsgebundenheit nachdenken und überlegen, ob Sie sich auch ein Leben und Arbeiten in einer anderen Stadt oder einem anderen Land vorstellen könnten.

7. Lernen Sie eine neue Sprache!

Keine Frage - Europa wächst zusammen. Bereits heute hat die Europäische Union 25 Mitgliedsstaaten, weitere werden hinzukommen. Länder mit unterschiedlichen Kulturen, Traditionen, Lebensweisen - und einer Vielfalt unterschiedlicher Sprachen. Und wollten Sie nicht immer schon mal Türkisch, Russisch oder Japanisch können? Fremdsprachen lernen macht Spaß und verbessert die Karriere-Chancen. Jetzt ist die Zeit dafür.
Können Sie sich einen Sprachkurs bei der VHS oder einer der vielen Sprachenschulen nicht leisten, so gibt es auch günstigere Möglichkeiten: Geben Sie eine Annonce auf, dass Sie ein entsprechendes Gegenüber kennen lernen möchten, das Deutsch lernen will. So lernen Sie Italienisch und Ihr neuer italienischer Bekannter eignet sich die deutsche Sprache an. Mit einer neuen Sprache können Sie bei der nächsten Bewerbung dann so richtig punkten, vor allem, wenn Sie ausgefallen ist und zu den Standorten des Unternehmens passt, bei dem Sie sich gerne bewerben möchten.

8. Halten Sie nicht am Alten und Gewohnten fest!

Schauen Sie in die Zukunft und versuchen Sie, neue Wege zu finden. Wir leben in einer Zeit des Wandels, des Neubeginns und der Neuorientierung. Gerade in dieser Phase ist es für den Einzelnen wichtig, den eigenen Weg zu finden und ihn auch zu gehen.
Geht es nicht darum, das Steuer für das eigene Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und herauszufinden, wer ich bin, wo meine Stärken und Schwächen, meine Ressourcen und mein Potential liegen, wo meine natürlichen Präferenzen sind und wohin mein Lebensweg geht? Geht es nicht darum, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und ein erfülltes und glückliches Leben zu führen?
Wenn eine Festanstellung in Ihrem Bereich nicht mehr realistisch ist, kann eine Kombination sinnvoll werden: eine Mischung aus freiberuflicher, befristeter oder zeitlimitierter Arbeit. Ein Beraterauftrag hier, eine sinnerfüllte Non-Profit-Aktivität dort. Sie liegen voll im Trend der nächsten Jahre: Flexible Arbeitsverhältnisse nehmen zu. Dies sind Zeitarbeit, Teilzeitjobs, Interim-Management, Projektverträge und selbstständige Tätigkeiten.

9. Bleiben Sie geistig beweglich!

Sie glauben, in Ihrem Alter können Sie kein neues Wissen mehr erwerben? Meist ein Irrglaube. Finden Sie heraus, was Sie gerne lernen, und wann oder wie Ihnen das gelingt. Dass Sie es können, ist doch klar. Wer beispielsweise die Bundesliga-Ergebnisse abspulen kann, ist auch in der Lage, abstrakte Zahlenreihen auswendig zu lernen . . .
Flexibilität lässt sich trainieren: Wer neben seinen fachlichen Spezialistentätigkeiten auch ganz anderen Beschäftigungen nachgeht, übt Geist und Kreativität. Schauen Sie nach erbaulichen und/oder sinnvollen Ergänzungen. Was für Einsteiger gilt, verliert bei Erfahrenen nicht an Bedeutung: Wenn Naturwissenschaftler sich betriebswirtschaftliche Kenntnisse aneignen sollen, so mögen doch beispielsweise auch Manager ihre musischen Talente entwickeln.
Belegen Sie Kurse, engagieren Sie einen Coach, besuchen Sie Workshops! Nützen Sie also die sonnigen und langen Tage des Sommers, damit Sie im Herbst gestärkt und mit viel Selbstbewusstsein einen neuen Berufsweg beschreiten können.